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Über Uns - Julia

In unserer Kategorie "Über Uns" stellen wir euch nach und nach die Gesichter hinter Exclusive Guiding vor. Denn: wir glauben daran, dass es im Leben und vor allem am Berg in erster Linie auf das Zwischenmenschliche ankommt.

Heute erzählt euch Julia etwas über Umwege und warum uns die manchmal genau dort hin bringen, wo wir hingehören.


Ich hänge in einer Gletscherspalte, unter mir ein gähnender Abgrund aus blauem Eis. Über mir: mehr Eis, jede Menge überhängender Schnee und - glücklicherweise - ein Seil an dem ich hänge.

Ich atme ein paar Mal tief ein und aus, spüre wie sich mein Puls beruhigt und bitte meine Sicherungspartner mich noch ein paar Meter abzulassen.

Ich nehme meine Kamera aus ihrer Halterung und gebe meinem Partner-In-Gletscherspalten-Crime letzte Anweisungen. In dem Moment wo ich durch den Sucher schaue bin ich fokussiert. Mein Puls ist ruhig. Das Herz, das noch vor Sekunden Mambo tanzt, schlägt regelmäßig.

Aber Moment... wie genau bin ich hier eigentlich gelandet?


Ich muss etwas ausholen.

Skifahren, das konnte ich schon bevor ich richtig laufen konnte. Oder zumindest erzählt mein Papa die Geschichte so. Und wir wissen ja, manchmal übertreiben Papas (auf liebevolle Weise).

Aufgewachsen bin ich in Bayern und schon in meiner Kindheit drehte sich alles um die Berge. Im Winter gingen wir zum Skifahren oder sausten mit unseren Schlittschuhen über gefrorene Seen. Im Sommer ging es zum Wandern oder ich durchstreifte die Wälder und kletterte auf Bäume. Schneller und höher als all die Jungs im Dorf. Darauf war ich damals sehr stolz und vielleicht bin ich das heute noch.

Ich war dieses Kind mit aufgeschlagenen Knien, roten Backen und in den Haaren steckten immer kleine Zweige oder etwas Moos. Mit dem Erwachsenwerden verschlug es mich sehr weit weg von meinen Bäumen und meinen Bergen. Auf der Jagd nach meinen großen Träumen, zog es mich in die große Stadt. Ich arbeitete, zuerst als Model vor und dann hinter der Kamera, produzierte große TV Werbespots für noch größere Marken und war ziemlich gut dabei ziemlich groß rauszukommen.

Zeitgleich entwickelte ich einen auch nicht allzu kleinen Burnout.

Irgendwann kam der Zeitpunkt an dem ich dies nicht mehr ignorieren konnte. Und als schließlich zu meiner Psyche auch mein Körper anfing zu streiken, war da plötzlich dieses Bild in meinem Kopf: Weiße Gipfel. Unendliche Weiten. Frieden. Ruhe.

Und da wusste ich: Das ist es.

Dort musst du sein. Dort gehörst du hin. Dort hast du schon immer hingehört. Und so kam es schließlich, dass ich mich über ein paar Umwege und durch eine unglaubliche Liebesgeschichte in dieser Gletscherspalte wiederfand und endlich das tat, wovon ich schon immer geträumt hatte.

Abenteuer erleben und Fotografieren. Und so fühle ich mich heute diesem kleinen wilden Mädchen wieder sehr nahe wenn ich immer wieder aufs Neue staunen und entdecken darf.

Ich glaube nicht, dass es je aufhören wird. Diese Begeisterung über einen Sonnenaufgang in den Bergen, die ekstatische Freude über einen unverspurten Pulverhang oder das Herzrasen am Ausstieg einer Kletterroute.


Ich weiß heute ganz sicher, dass ich es nie müde werden werde: Bilder einzufangen und Geschichten zu erzählen. Geschichten von Abenteuern und - vielleicht ist das am wichtigsten - von den Menschen mit denen ich sie erleben darf.


Und wenn ich nach einem langen Tag am Felsen wieder Moos und Äste aus meinen Haaren zupfe, dann bin ich tatsächlich der glücklichste Mensch auf der Welt.



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